• news
  • Mieterstrom und Freiflächen als Hoffnung

    Aufbruchstimmung beim Photovoltaik-Symposium in Kloster Banz: Solarenergie kann sich durchaus lohnen

    Photovoltaik (PV) lohnt sich wieder. Aber das müssen die Investoren erst wieder verstehen“: Marc Köntges, wissenschaftlicher Leiter des 32. Symposiums Photovoltaiksche Solarenergie auf Kloster Banz, macht die schlechte Kommunikation der Branche hauptsächlich dafür verantwortlich, dass es mit der Installation neuer Solarstromanlagen nicht so steil bergauf geht. 

    Doch der Aufschwung ist nach Meinung des Wissenschaftlers vom Solarinstitut ISFH aus Hameln nur eine Frage der Zeit. Denn mit dem Projekt Mieterstrom und der Erlaubnis, auf für die Landwirtschaft ungünstigen Feldern und Wiesen wieder PV-Anlagen zu errichten, habe die Branche wieder jede Menge Möglichkeiten.

    Solarstrom vom Dach günstig nutzen



    Mieterstrom: Dieser Tage soll im Bundestag beschlossen werden, dass Bewohner den Solarstrom vom Mietshausdach genauso günstig nützen können, wie es heute schon Eigenheimbesitzern mit PV-Dach unter dem Stichwort „Eigenstrom“ möglich ist. Und zu Freiflächen-PV wurde die gute Nachricht aus dem Bayerischen Wirtschaftsministerium ausgerechnet am zweiten Tag der PV-Konferenz veröffentlicht: Ministerin Ilse Aigner (CSU) will höchstselbst die „Länderöffnungsklausel“ im renovierten Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG 2017 durchgesetzt haben. Die mache „PV-Projekte auf Acker- und Grünlandflächen in agrarisch benachteiligten Gebieten nun wieder möglich“. natürlich stamme auch die „Verordnung in einem der ersten Bundesländer, um sich an den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur beteiligen können“ aus Bayern, so Aigner in einer Presseerklärung.

    Zwar müssten sich die Planer größerer PV-Anlagen an den dreimal jährlich stattfindenden Ausschreibungen des Bundes beteiligen, erläutert Cornelia Viertl vom Bundeswirtschaftsministerium den Symposiumsbesuchern auf Kloster Banz. Doch sie ist sicher, hier seien betriebswirtschaftlich sinnvolle Angebote möglich: „Die Stromgestehungskosten mit PV liegen unter der EEG-Vergütung.“

    Für neue Märkte bereit


    Dem stimmt auch Carsten Körnig vom Bundesverband Solarwirtschaft BSW zu. Das EEG 2017 biete „mehr Investitionssicherheit. Und es gibt wieder mehr Chancen. Das begreift selbst die konventionelle Energiewirtschaft. Gemeinsam mit der Lokalpolitik zeigt sie Bereitschaft für neue Märkte wie Mieterstrom“, sagt er. Gerade kommunale Wohnungsfirmen sollten hier vorweg gehen: Auf dem Mietshausdach erzeugter Solarstrom sei viel billiger als Elektrizität aus dem Netz, wenn Mieter den Großteil der EEG-Umlage zurückbekommen. 

    „Die Aussichten der Branche sind vergleichsweise aufgehellt, auch das Handwerk hat wieder auskömmlichere Margen. Doch wir müssen mehr Öffentlichkeitsarbeit machen, damit Menschen und Gewerbe mitbekommen, dass unsere Technologie sich wieder rechnet“, gibt sich aber auch Körnig selbstkritisch. Dabei bezieht der die sogenannten Solarstrom- Speichersysteme in Eigenheimen mit ein: „Der Markt vor der Haustür“ ist das für den BSW-Mann, der etwa 800 Unternehmen vertritt.

    Branche ist vorgewarnt


    Doch in der Branche ist man vorgewarnt: „Wenn der Politik nicht noch was Schlimmes einfällt, könnten wir 2017 in Richtung zwei Gigawatt (GW) pro Jahr kommen“; damit würde sich Körnig zufriedengeben. Zwar lagen die Installationszahlen 2010 bis 2012 fast auf dem vierfachen Niveau; auf sechs GW will der BSW mittelfristig wieder kommen. Aber zum Vergleich: 2015 wurde gerade mal 0,3 GW neu gebaut. 

    Auch auf das viel kritisierte EEG will die Solarbranche nicht ewig pochen. „Wir sind im Übergangsprozess zu selbsttragenden Geschäftsmodellen. Aber wir brauchen faire Wettbewerbsbedingungen“, so Körnig. Er zeigt vor allem auf „fossile Energieträger: Deren Schadstoffausstoß muss bepreist werden.“ Dazu brauche die Politik Mut; vielleicht traue sich eine neue Koalition nach der Bundestagswahl an das Thema.
    (Heinz Wraneschitz)

    Quwelle:http://www.bayerische-staatszeitung.de